Der Dauerkrach um die Reform der Bürgerdienste im Stadthaus muss beendet werden. Das neue System gehört grundsätzlich auf den Prüfstand. Wochenlange Wartezeiten, verärgerte Bürgerinnen und Bürger, Dauerdruck auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ein hoher Krankenstand sind kein Ausdruck gelungener Veränderungen. Wenn bei allen Nachjustieren keine durchgreifende Besserung eintritt, dann muss man die Kraft haben, die Organisationsreform als gescheitert zu erklären und zum erprobten System zurück zu kehren, sagte der OB-Kandidat Peter Ruhenstroth-Bauer (SPD). „Das wäre keine Schande, dafür aber ein Ende mit Schrecken und eine neue Chance.“ Vor allem die langen Wartezeiten seien unerträglich und auf Dauer nicht hinnehmbar. Außerdem dürfe den Beschäftigten durch unausgegorene Abläufe und den daraus resultierenden Bürgerzorn, den allein sie zu spüren bekommen, nicht die Freude an der Arbeit genommen werden.
In diesem Zusammenhang weist der frühere Staatssekretär, Verwaltungschef im Bundespresseamt und im Bundesfamilienministerium, auf ein grundsätzliches Problem hin. Bereits bei Sparentscheidungen durch den Stadtrat müssten die Konsequenzen thematisiert und gefragt werden, ob das so gewollt sei. Gerade in Zeiten des Sparzwanges, seien die Folgen zu bedenken. Die politischen Parteien im Rat, die Personalkosten pauschal deckeln und die Verwaltungsspitze hätten die Aufgabe, Gründe und Notwendigkeiten gravierender Veränderungen zu erklären. „Das ist keine Aufgabe, die man am „Schalter“ nebenbei erledigen kann.“ Die aus Sicht des Oberbürgermeisterkandidaten gescheiterte Organisationsreform bei den Bürgerdiensten werfe die Frage auf, ob der vorhandene Sachverstand der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausreichend gehört und gewürdigt worden sei. Auch die Personalvertretung könne noch stärker beteiligt werden, unabhängig von ihren formalen Mitwirkungsrechten. Die Bedeutung der Mitbestimmung in Prozessen mit starken Veränderungen wachse, wenn eine Organisationsreform nur bei gleichzeitiger Akzeptanz durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gelingen könne. Die Kunst sei, Reformen mit und nicht gegen die betroffenen Beschäftigten zu erarbeiten. „Diese Methode für Veränderungen würde ich als Oberbürgermeister von Bonn in der Arbeitspraxis anwenden“, sagte Peter Ruhenstroth-Bauer